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Nach dem endgültigen Zusammenbruch des Weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert verfiel Westeuropa für einen beträchtlichen Zeitraum in Barbarei, Gesetzlosigkeit und ökonomischen Stillstand, der im Allgemeinen als Dunkle Zeit bezeichnet wird. Die von den Römern geschaffene Infrastruktur, darunter öffentliche Gebäude, Gerichte, Rechts- und Bildungswesen, Schriftstücke, Münzprägung und Handel verschwand zu einem großen Teil. Die germanischen Eindringlinge aus dem Gebiet nördlich von Rhein und Donau brachten eine politische Stammeskultur mit sich, die auf der Loyalität zu einzelnen, ortsansässigen Stammesfürsten fußte. Eine allmähliche Erholung wurde durch drei Haupteinflussfaktoren gefördert: die Stabilisierung weiter Gebiete durch außergewöhnliche einflussreiche Anführer, die christliche Kirche (mit ihren Machtzentren in Rom und Irland), die versucht war, ein Minimum an Bildung zu konservieren und zu verbreiten sowie das Widererstarken von Handelszweigen, deren Grundlage die Landwirtschaft war, insbesondere der Handel mit Wolle und Stoffen.

Das von Karl dem Großen im 9. Jahrhundert gegründete Fränkische Reich gilt allgemein als Endpunkt der Dunklen Zeit und Beginn der Feudalzeit in Europa. Die barbarischen Stämme, die einen Großteil von Westeuropa für sich beanspruchten wurden durch besser organisierte Regionalmächte abgelöst. Der christliche Glaube stellte eine eigene soziale und kulturelle Kraft dar. Karl der Große förderte die Wiederbelebung von Bildung, Kunst und Kultur. Das von ihm geschaffene Reich zerfiel jedoch nach seinem Tod und die erneut einfallenden germanischen Horden machten einen Großteil seines Werkes zunichte. Die politische und ökonomische Macht ging von den Königen auf Landesfürsten über, die ihre Macht innerhalb eines unveränderlichen Geflechts aus Lehnsbeziehungen ausübten. Das gemeine Volk bestellte den Boden und stützte so die Macht von Adel und Kirche.

Als die ansässigen Feudalherren im 9. Jahrhundert bemüht waren ihre Machtpositionen zu festigen, tauchten zum ersten Mal Burgen in Europa auf. Sie schützten die Feudalherren vor Angriffen der Nachbarn und dienten als sicherer Ausgangspunkt für Expeditionen berittener Krieger, die von dort aus das umliegende Land kontrollierten. Ein bezeichnendes Datum für die Ritterzeit war die Eroberung von Wales durch Eduard I. von England. Durch die Errichtung massiver Burgen an strategisch günstigen Stellen in ganz Wales errang Eduard den Sieg mit einem Minimum an kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Burgen waren für die vereinzelten Krieger Wales uneinnehmbar. Die englischen Soldaten konnten nach Belieben ausrücken und Handel, Ernte und das Eintreiben der Steuern überwachen. Die Ritterzeit war gekennzeichnet durch Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, die Kreuzzüge ins Heilige Land, ein wieder belebtes Interesse an der Kunst, die Verbreitung von Burgen und die Gründung mächtiger Königreiche.

Der Aufstieg großer Könige und deren Streben nach Macht kennzeichnen den letzten Abschnitt des Mittelalters, der als Imperialzeit bezeichnet werden kann. Das Feudalsystem wurde durch Nationen wie England, Frankreich, Spanien und Skandinavien abgelöst, die von Königen regiert wurden. Der Handel erlebte einen enormen Aufschwung und Städte gewannen an Größe und Einfluss. Das Renaissancezeitalter war in Italien angebrochen und breitete sich auch im Rest Europas aus. Technologie und Wissen waren weiter entwickelt als in der antiken Welt. Feuerwaffen und andere Neuerungen beendeten die militärische Überlegenheit von Rittern und Burgen. Das Ende des Mittelalters ist durch einen Reihe von wichtigen Ereignissen gekennzeichnet, darunter die Eroberung Konstantinopels durch die Türken, die Entdeckung der Neuen Welt, der einsetzende Seehandel mit Asien und die Reformation durch Martin Luther.

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